Der Ast, der fast 10.000 Euro gekostet hätte: Meine Lektion in Sachen Verkehrssicherungspflicht
Ein Brief vom Nachbarn, ein morscher Ast und ein nächtlicher Polizeieinsatz. Eine wahre Geschichte über die Haftung als Hauseigentümer und was ich daraus gelern
Es fing an mit einem Brief im Kasten. Kein Werbemüll, sondern ein formelles Schreiben vom Nachbarn. Ein Ast unserer alten Walnuss würde bedrohlich über seine Garageneinfahrt hängen. Ob ich den bitte zeitnah entfernen könne, er mache sich Sorgen um sein Auto. Meine erste Reaktion: blanker Trotz. Ein Baum ist doch ein Baum, oder? Der wächst eben, wie er wächst.
Den Brief habe ich erstmal beiseitegelegt. Eine Woche später lag ein zweiter drin, diesmal mit einer gesetzten Frist und dem Hinweis auf meine Verkehrssicherungspflicht. Das saß. Eine kurze Recherche im Netz drehte mir den Magen um. Ja, er war im Recht. Für alles, was von meinem Grundstück auf öffentliche Wege oder Nachbargrundstücke ragt und eine Gefahr darstellt, bin ich verantwortlich.
Also gut, dachte ich, mach ich’s halt selbst. Leiter raus, Säge in die Hand. Als ich oben stand, merkte ich schnell, wie naiv das war. Der Ast hatte den Durchmesser meines Oberschenkels und wog bestimmt 90 Kilo. Ein unkontrollierter Fall, und das Dach seiner Garage wäre Geschichte gewesen. Mission abgebrochen.
Also griff ich zum Hörer und rief einen Profi an, einen Baumkletterer. Sein Angebot hat mir die Sprache verschlagen: stolze 850 Euro. Für einen Ast. Der Preis kam durch die komplizierte Sicherung über dem Nachbargrundstück zustande. Als er dann da war, wurde es aber erst richtig lehrreich. Er zeigte mir zwei weitere, viel dünnere Äste, die komplett trocken waren. „Das hier ist Totholz“, sagte er. „Das ist die eigentliche Zeitbombe. Der dicke Ast ist nur unpraktisch, aber die hier brechen beim nächsten Sturm ohne Vorwarnung.“ Sein Rat war Gold wert: „Machen Sie Fotos. Vorher, nachher. Und heben Sie meine Rechnung gut auf. Wenn in fünf Jahren was passiert, will die Versicherung sehen, dass Sie sich gekümmert haben.“ Das war ein Weckruf. Seitdem fotografiere ich nicht nur die schönen Fortschritte bei der Sanierung, sondern auch diese unscheinbaren Wartungsarbeiten. Jede Kleinigkeit ist ein Beleg.
Der Ast war weg, ich fühlte mich sicher. Ein Trugschluss. Drei Monate später hatten wir einen dieser Wintertage mit extrem nassem, schwerem Schnee. Nachts um vier Uhr ein ohrenbetäubender Knall. Ein anderer Ast, einer, den der Profi als völlig gesund eingestuft hatte, war unter der Last gebrochen und quer über die Straße gekracht. Diesmal kam die Polizei. Wenige Tage später die Gemeinde. Ich sah mich schon mit einer Klage konfrontiert. Doch dann passierte etwas Unerwartetes: Nichts. Denn ich konnte lückenlos nachweisen, dass der Baum fachmännisch geprüft und gepflegt war. Der Astbruch war „höhere Gewalt“, ein unvorhersehbares Ereignis. Ohne die Rechnung des Baumkletterers und meine Fotos hätte das ganz anders ausgesehen. Die potenziellen Kosten für die Straßensperrung und Beseitigung hätten locker im fünfstelligen Bereich liegen können. Da wurden die 850 Euro plötzlich ganz relativ.
Die Rechnung des Profis, meine Fotos, das Datum – das war meine Rettung. Damals lag alles noch chaotisch in Mail-Anhängen und auf der Festplatte verstreut. Heute hat jede Rechnung und jeder Wartungstermin bei mir einen festen Platz in der Hausgedächtnis-App, damit ich im Ernstfall nicht wieder ins Schwitzen komme.
Diese Erlebnisse haben meinen Blick auf das Haus verändert. Es geht nicht nur darum, die Kosten der Sanierung im Griff zu haben. Es geht um die laufende Verantwortung. Heute gehe ich nach jedem Sturm einmal ums Haus und schaue aufs Dach. Ich achte auf die Gehwegplatten vor dem Tor und sehe den alten Baum nicht mehr nur als Schattenspender, sondern auch als Aufgabe. Es ist eine Verantwortung, die man mitkauft, die aber in keiner Objektbeschreibung steht. Man wächst da rein, manchmal eben auf die harte Tour. Aber was, wenn der nächste Sturm noch heftiger wird? Das Gefühl, dann wenigstens vorbereitet zu sein und seine Sache im Griff zu haben, ist jedenfalls unbezahlbar.
Gerade bei der Verkehrssicherungspflicht kann das Vergessen von Wartungsterminen schnell zu teuren Folgeschäden oder dem Verlust des Versicherungsschutzes führen. Als jemand, der selbst ein altes Haus saniert, weiß ich, wie leicht man hier den Überblick verliert. Deswegen haben wir den Wartungskalender im Hausgedächtnis so konzipiert, dass du immer an deine Pflichten erinnert wirst und entspannt bleibst: Hausgedächtnis kostenlos testen.