Mein Altbau-Bad von 1790: Eine wahre Geschichte über DIY, Pfusch und den Moment, den Profi zu rufen
Ein ehrlicher Erfahrungsbericht zur Badsanierung im Altbau. Was ich selbst gemacht habe, wo ich gescheitert bin und was die Zusammenarbeit mit dem Profi wirklic
Die Wand im zukünftigen Bad im Obergeschoss war krummer als eine Banane. Auf zweieinhalb Metern hatte sie einen Bauch von fast acht Zentimetern – in unserem alten Gasthaus von 1790 keine Seltenheit, aber trotzdem ein Schock. Spätestens da war klar: Die Badsanierung wird kein Spaziergang. Der Plan, einen ungenutzten Abstellraum in ein komplettes Bad zu verwandeln, bekam erste Risse. Dabei fing alles so gut an. Der Abriss ist ja der befriedigendste Teil. Mit Vorschlaghammer und Brecheisen die alten Dielen rausreißen, die maroden Lattungen von der Wand klopfen, der alte Putz, der von selbst bröckelt. Das ist ehrliche Arbeit, bei der man schnell Fortschritt sieht und sich produktiv fühlt. Genau in diesem Rausch aus Staub und Tatendrang denkt man: “Das wird ein Kinderspiel.” Dieser Glaube hält exakt so lange an, bis man vor der nackten Bausubstanz steht. Bei uns waren das krumme Deckenbalken, ein Sandstein-Fundament und eben diese eine Wand, die sich über die Jahrhunderte ihr eigenes Leben gesucht hatte. Beim Freilegen der Decke kam dann noch ein morscher Balkenabschnitt zum Vorschein – direkt neben dem geplanten Duschbereich. Kein Totalschaden, aber definitiv nichts, das man einfach überbaut.
Die Stunde der Wahrheit: Wasser, Abwasser und krumme Balken
Mein Plan, auch die Wasser- und Abwasserleitungen selbst zu legen, zerplatzte angesichts der Realität. Das System mit Kunststoffrohren und Steckfittings, das online so idiotensicher wirkte, war hier nutzlos. Wohin mit dem 100er-Abwasserrohr für die Toilette, ohne einen der tragenden Deckenbalken zu durchtrennen? Wie soll man genug Gefälle hinbekommen, wenn der Boden selbst schon schief ist?
Hier war Schluss mit DIY. Ich rief einen befreundeten Allround-Handwerker an. Er kam, sah sich das Elend an und lachte. Sein Vorschlag war eine Vorwandinstallation: Man baut vor die eigentliche Wand eine zweite aus Trockenbauprofilen und versteckt darin die ganze Technik – Spülkasten, Rohre, Anschlüsse. Das löst das Abwasserproblem und kaschiert gleichzeitig die krumme Wand. Manchmal sind die Lösungen so einfach, aber man muss eben darauf kommen.
Die Kerninstallation, also das Verlegen und Verpressen der Kupferrohre für Warm- und Kaltwasser, hat er dann übernommen. Ich durfte assistieren, Rohre halten, zusehen und lernen. Das war die beste Entscheidung des ganzen Projekts. Gleichzeitig begann ich, jeden Arbeitsschritt zu fotografieren und Rechnungen konsequent abzulegen – damals noch chaotisch in verschiedenen Ordnern, aber immerhin. Ein Wasserschaden durch einen einzigen falsch gesetzten Fitting wäre der finanzielle Ruin gewesen, denn die Versicherung hätte bei so einem Eigenbau-Fehler keinen Cent gezahlt. Der Profi ist eben nicht nur eine Arbeitserleichterung, sondern die beste Versicherung gegen die eigene Unerfahrenheit.
Der mühsame Aufbau: Wo sich DIY wieder lohnt (und wo nicht)
Nachdem die Technik in der Wand verschwunden war, war wieder mein Einsatzgebiet. Die Trockenbauprofile stellen und mit den grünen, imprägnierten Gipskartonplatten beplanken, das ist wie Lego für Erwachsene. Zuschneiden, anschrauben, fertig. Auch das Abdichten der Duschecke mit Dichtbändern und flüssiger Dichtfolie ist eine Arbeit, die man mit der nötigen Sorgfalt gut selbst erledigen kann.
Beim Fliesenlegen wurde es wieder anspruchsvoller. Großformatige Fliesen (60x60 cm) sehen toll aus, verzeihen aber keine Unebenheiten. Der Ausgleich mit Fließspachtel war eine Sauerei, hat aber funktioniert.
Richtig frustrierend wurde es erst beim Finish. Eine saubere Silikonfuge ist eine Kunst für sich. Meine ersten Versuche sahen aus, als hätte ein Kleinkind mit Dichtmasse hantiert. Ob das jemals jemandem auf Anhieb gelingt? Der Profi hätte das in 20 Minuten erledigt, ich habe zwei Stunden und eine halbe Rolle Küchenpapier gebraucht.
Was ich gelernt habe (und anders machen würde)
Das größte Versäumnis war die fehlende Fußbodenheizung. Im Eifer des Gefechts wurde die elektrische Heizmatte schlicht vergessen. Jetzt haben wir einen schönen, aber im Winter eiskalten Fliesenboden. Ein Fehler, der sich nicht mehr korrigieren lässt und mich bis heute ärgert.
Finanziell war die Mischung aus Eigenleistung und Profi-Hilfe ein guter Kompromiss. Die Rechnung vom Handwerker für seine Arbeit belief sich am Ende auf knapp 2.800 Euro Lohnanteil. Davon konnten wir dank § 35a EStG immerhin rund 550 Euro direkt von der Steuerschuld abziehen – das funktioniert aber nur mit ordentlicher Rechnung und Überweisung.
Diese Rechnung ist heute, zusammen mit den Materialbelegen und den Fotos vom Baufortschritt, das wichtigste Dokument des Projekts. Sie belegt nicht nur die Kosten, sondern auch den Beginn der 5-jährigen Gewährleistungsfrist auf die Sanitärinstallation. Früher wären solche Papiere in irgendeinem Ordner verschwunden, heute scanne ich alles sofort. So hat man immer Zugriff auf die Daten, sei es für die Steuer, die Versicherung oder einen möglichen Verkauf. Um hier den Überblick über Fristen und Wartungen zu behalten, ohne in Papierstapeln zu wühlen, kann eine digitale Lösung wie die Hausgedächtnis-App praktisch sein.
Das Bad ist jetzt seit zwei Jahren in Betrieb und alles funktioniert tadellos. Der Stolz, es zu großen Teilen selbst geschafft zu haben, ist natürlich da. Noch wichtiger ist aber die Erkenntnis, wo die eigenen Grenzen liegen. Manchmal ist der Griff zum Telefon und der Anruf beim Profi die klügste Heimwerker-Fähigkeit von allen.
Häufige Fragen
Was ist der größte Fehler, den man bei einer Badsanierung im Altbau machen kann? Die alte Bausubstanz zu unterschätzen. Man findet immer etwas Unerwartetes: morsche Balken, alte, nicht dokumentierte Leitungen, unebene Böden und Wände. Man sollte immer einen Puffer von mindestens 20 % im Budget und Zeitplan für solche Überraschungen einplanen.
Darf ich Wasserleitungen im Bad selbst verlegen? Grundsätzlich ja, es gibt in Deutschland kein Gesetz, das es verbietet. Aber: Wird der Anschluss ans öffentliche Trinkwassernetz verändert, muss das ein zugelassener Installateur abnehmen. Und bei einem Wasserschaden durch fehlerhafte Eigenleistung zahlt die Gebäudeversicherung in der Regel nicht. Wer es trotzdem selbst macht, sollte zumindest die Verpress-Verbindungen vom Profi prüfen lassen.
Wie lange dauert eine Badsanierung wirklich? Ein Profi-Team schafft ein Standardbad in 2-3 Wochen. Wenn man viel selbst macht und nur am Wochenende Zeit hat, sollte man realistisch mit 2-3 Monaten rechnen. Unser Bad hat, mit Unterbrechungen, fast ein halbes Jahr gedauert.
Wer haftet bei einem Wasserschaden durch Eigenleistung? Der Eigentümer. Die Gebäudeversicherung kann die Leistung verweigern, wenn ein Schaden auf unsachgemäße Eigenarbeit zurückzuführen ist. Besonders kritisch: Verpress-Verbindungen an Trinkwasserleitungen und Abdichtungen im Duschbereich. Wer hier selbst arbeitet, dokumentiert besser jeden Schritt mit Fotos – im Streitfall ist das der einzige Beleg dafür, dass sauber gearbeitet wurde.