Mein Kampf um Licht und Ordnung: Wie ich unsere alten Obstbäume und die Nachbarshecke im Sommer gebändigt habe
Ein verwilderter Altbau-Garten, alte Obstbäume und eine wuchernde Hecke. Meine ehrliche Geschichte über Gesetze, Rückschläge und den richtigen Schnitt im Sommer
Als wir das alte Gasthaus von 1790 kauften, bekamen wir einen Garten dazu, der diesen Namen kaum verdiente. Es war eher ein Dschungel. In einer Ecke standen zwei knorrige, alte Apfelbäume, erstickt von wilden Brombeeren und so dicht gewachsen, dass kaum noch Licht auf den Boden fiel. Mein erster Gedanke im Frühsommer war: Kettensäge. Ein Wochenende, radikaler Kahlschlag, fertig.
Der Plan stand schon fest. Ein befreundeter Allround-Handwerker, der mir oft bei der Sanierung hilft, sollte mit anpacken. Doch als ich ihm von meinem „Aufräum-Wochenende“ erzählte, zog er nur die Augenbrauen hoch.
Der erste Rückschlag: Das Veto der Vögel
„Hast du mal nach Nestern geschaut?“, fragte er trocken. Hatte ich nicht. Er erklärte mir, was ich im Eifer des Gefechts völlig übersehen hatte: das Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 BNatSchG). Zwischen März und September sind radikale Schnitte und Fällungen verboten, um brütende Vögel zu schützen. Ein Verstoß kann richtig teuer werden. Mein Plan vom Kahlschlag war damit gestorben, bevor er überhaupt begonnen hatte.
Wir gingen also auf Inspektion. Und tatsächlich, in der riesigen Brombeerhecke, die sich in den einen Apfelbaum rankte, saß eine Amsel auf ihrem Nest. In dem Moment war klar: Hier passiert erstmal gar nichts. Ich zückte mein Handy und machte ein Foto vom Nest, nicht als Trophäe, sondern als Notiz an mich selbst. Es war der Moment, in dem ich begriff, dass man manchmal auch festhalten muss, warum eine Arbeit nicht erledigt werden kann.
Plan B: Der sanfte Schnitt und der Kampf mit den Wasserschossen
Also alles auf Anfang. Statt Kettensäge hieß es nun Handarbeit mit Fokus auf das, was erlaubt und sinnvoll war: ein schonender Pflegeschnitt. Wir entfernten Totholz, das wie dürre Knochenfinger in den Himmel ragte, und nahmen uns die unzähligen Wasserschosse vor. Das sind diese nutzlosen, senkrechten Triebe, die dem Baum nur Kraft rauben. Mein Freund zeigte mir, wie es geht: Statt sie zu schneiden, rissen wir sie mit einem kräftigen Ruck ab. „Sommerriss“ nennt sich das. Der Vorteil ist, dass man die Knospen an der Basis gleich mit entfernt, sodass dort im nächsten Jahr viel weniger nachwächst. Es war eine schweißtreibende, mühsame Arbeit. Ast für Ast, Trieb für Trieb. Am Ende des Tages hatten wir einen riesigen Haufen Grünschnitt, der uns bei der Entsorgung auf dem Wertstoffhof 47,50 Euro kostete, aber die Bäume sahen schon viel luftiger aus.
Der zweite Rückschlag: Der Nachbar und sein „Gewohnheitsrecht“
Das größte Problem war aber eine riesige, verwilderte Forsythie, die von Nachbars Grundstück gut zwei Meter zu uns herüberwucherte und einen Teil des Gartens in Dauerschatten tauchte. Ich klingelte nebenan und versuchte, das Thema freundlich anzusprechen. Die Antwort war ein Schulterzucken. „Das war schon immer so.“ Ich war kurz davor, einfach die Astschere anzusetzen, doch wieder bremste mich mein Freund. „Schick ihm erst ein Schreiben. Setz ihm eine Frist.“ Also habe ich mich mit § 910 des Bürgerlichen Gesetzbuches beschäftigt, dem Selbsthilferecht bei Überhang. Ich verfasste einen höflichen, aber bestimmten Brief, in dem ich um Rückschnitt innerhalb von drei Wochen bat, und verschickte ihn per Einschreiben. Nichts passierte. Diese ganze Kommunikation, vom ersten Gesprächsversuch über das Foto des Überhangs bis zum Einschreiben, habe ich akribisch dokumentiert. Für ein so altes Haus reicht mir ein Schuhkarton voller Zettel einfach nicht mehr, deshalb halte ich alles – von Rechnungen über Garantien bis zu solchen Nachbarschafts-Querelen – digital an einem Ort fest. Dafür habe ich die App HausGedächtnis entdeckt, die sich als unbezahlbar für mein Nervenkostüm erwiesen hat. Nachdem die Frist verstrichen war, habe ich schließlich selbst geschnitten. Genau bis zur Grundstücksgrenze, keinen Zentimeter weiter. Das Schnittgut legte ich ordentlich auf sein Grundstück. Er war nicht begeistert, konnte aber nichts machen. Die klare Rechtslage und meine saubere Dokumentation gaben mir die nötige Rückendeckung.
Dieser erste Sommer im neuen Garten hat mich mehr gelehrt als jedes Gartenbuch. Ich wollte mit der Kettensäge schnelle Fakten schaffen und musste stattdessen lernen, dass ein Garten seine eigenen Regeln hat – nicht nur die der Natur, sondern auch die des deutschen Rechts. Der sanfte Schnitt hat den alten Apfelbäumen sichtlich gutgetan. Sie trugen im Herbst zwar nicht viel mehr, aber die Früchte waren größer und das Licht, das jetzt den Boden erreicht, lässt endlich wieder etwas wachsen. Manchmal ist der langsame, überlegte Weg eben doch der bessere. Die Amseln haben erfolgreich gebrütet und der Frieden mit dem Nachbarn ist – nach einer kurzen Eiszeit – auch wiederhergestellt. Die Kettensäge wartet immer noch in der Werkstatt. Wer weiß, vielleicht bleibt sie dort auch?
Aus eigener Erfahrung bei der Sanierung meines Altbaus von 1790 weiß ich: Ungeplante Arbeiten und fehlende Dokumentation – ob beim Baumschnitt oder größeren Projekten – treiben nicht nur die Kosten unnötig in die Höhe, sondern erschweren später auch den Hausverkauf enorm. Genau deshalb haben wir im Hausgedächtnis die Funktion “Renovierungsprojekte” entwickelt, damit Sie Ihre Vorhaben von Anfang an sauber planen und nachvollziehbar dokumentieren können; Hausgedächtnis kostenlos testen.