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Hausgedächtnis
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Potentialausgleich im Altbau: Was bei der Sanierung der Elektrik wirklich zählt
Foto: Gus Tav via Pexels

Potentialausgleich im Altbau: Was bei der Sanierung der Elektrik wirklich zählt

Erfahren Sie, warum der Potentialausgleich und die Schutzerdung bei der Altbausanierung entscheidend sind. Ein ehrlicher Einblick nach DIN VDE 0100.

Eine alte Elektroinstallation ist mehr als nur unpraktisch, weil die Sicherung fliegt, wenn Wasserkocher und Föhn gleichzeitig laufen. In vielen Altbauten ist sie eine echte Gefahr. Das Problem ist oft nicht das einzelne marode Kabel, sondern das fehlende Sicherheitskonzept dahinter. Bei unserem Haus von 1790 war das nicht anders. Hinter den dicken Mauern verbarg sich ein System, das weniger auf Sicherheit als auf reiner Funktion ausgelegt war – im Kern ging es um die mangelhafte Erdung und den fehlenden Potentialausgleich.

Der Potentialausgleich: Ein unsichtbares Sicherheitsnetz

Der Begriff klingt technisch, die Idee dahinter ist aber simpel: Alle großen, leitfähigen Teile im Haus werden elektrisch miteinander verbunden und an die Erde angeschlossen. Dazu gehören Wasserrohre, Heizungsrohre, Gasleitungen, Metallwannen und die Stahlarmierung im Beton. Das Ziel ist, gefährliche Spannungsunterschiede zu verhindern. Fasst man also ein defektes Elektrogerät und gleichzeitig den Heizkörper an, kann ohne Potentialausgleich ein lebensgefährlicher Strom durch den Körper fließen. Mit Potentialausgleich passiert das nicht, weil alles auf dem gleichen elektrischen Niveau (Potential) liegt.

Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist die Haupterdungsschiene (HES) im Keller, meist in der Nähe des Hausanschlusskastens. Von hier aus gehen dicke, grün-gelbe Kabel zu allen relevanten Teilen. In Bädern gibt es zusätzlich einen „örtlichen Potentialausgleich“, der zum Beispiel die metallene Badewanne mit den Wasserrohren direkt vor Ort verbindet.

Diese Theorie in die Praxis umzusetzen, glich bei uns einer Schnitzeljagd. Die Hauptwasserleitung aus Metall wurde an einer Stelle durch Kunststoff ersetzt – und schon war die Leitfähigkeit unterbrochen. Wir mussten dieses Teilstück mit einem speziellen Kabel überbrücken. Man verfolgt wirklich jeden Meter Rohr und muss ständig mitdenken.

Die Basis von allem: Der Fundamenterder

Damit der Potentialausgleich funktioniert, muss das ganze System mit der Erde verbunden sein. In modernen Häusern wird dafür beim Gießen der Bodenplatte ein sogenannter Fundamenterder aus verzinktem Stahl eingelegt. Altbauten, besonders die aus der Zeit vor 1970, haben das so gut wie nie. Unser Haus steht auf Feldsteinen, da war an so etwas gar nicht zu denken.

Fehlt der Fundamenterder, muss man ihn nachrüsten. Die gängigsten Methoden sind:

  • Tiefenerder (Staberder): Ein oder mehrere lange Metallstäbe werden senkrecht tief ins Erdreich getrieben. Das war bei uns die einzige praktikable Lösung.
  • Ringerder: Ein geschlossener Ring aus Metall wird um das Haus herum im Erdreich verlegt. Das ist sehr effektiv, aber nur möglich, wenn man sowieso das ganze Haus aufgräbt.

Die Kosten für das Nachrüsten eines Tiefenerders durch einen Fachbetrieb können je nach Bodenbeschaffenheit und Aufwand schnell zwischen 500 und 1.500 Euro liegen. Wir haben uns entschieden, den Stab selbst in den lehmigen Boden neben dem Hausanschluss zu treiben – eine schweißtreibende, aber machbare Arbeit. Man spürt jeden Stein, auf den man trifft. Den finalen Anschluss und die entscheidende Messung des Erdungswiderstandes hat dann selbstverständlich der Elektriker übernommen. Das ist keine Arbeit für Laien.

Die VDE 0100: Kein Gesetz, aber ohne geht es nicht

Immer wieder fällt der Begriff DIN VDE 0100. Das ist kein Gesetz im klassischen Sinne, sondern eine Normensammlung, die die „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ für Elektroinstallationen festlegt. Und hier kommt der überraschende Teil: Eine alte Installation, die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung den damals gültigen Vorschriften entsprach, genießt Bestandsschutz. Man ist nicht verpflichtet, sie ohne Anlass zu modernisieren.

Der Haken: Dieser Bestandsschutz erlischt sofort, wenn man wesentliche Änderungen vornimmt. Eine neue Steckdose im Wohnzimmer reicht oft schon aus. Dann muss der betroffene Stromkreis komplett auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden. Das bedeutet in der Regel: ein neuer Sicherungsautomat und vor allem ein Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD, auch FI-Schalter genannt). Moderne Anlagen nach VDE 0100-410 erfordern einen RCD für fast alle Steckdosenstromkreise. Dieser kleine Kasten im Sicherungskasten rettet Leben, indem er die Stromzufuhr in Millisekunden kappt, wenn Fehlerströme auftreten – also wenn Strom nicht den vorgesehenen Weg nimmt, sondern zum Beispiel durch einen Menschen.

MerkmalAltanlage (vor ~1973)Neuanlage (nach VDE 0100-410)
SchutzleiterOft nicht vorhanden (Klassische Nullung)Separater grüngelber Leiter (PE)
FI-Schalter (RCD)Meist nur im Bad (wenn überhaupt)Pflicht für alle Steckdosenstromkreise bis 32A
AderfarbenGrau (N), Schwarz (L), Rot (PE)Blau (N), Braun/Schwarz (L), Grün-Gelb (PE)
PotentialausgleichOft lückenhaft oder fehlendZwingend über Haupterdungsschiene

Dokumentation: Warum das Messprotokoll mehr wert ist als Gold

Wenn der Elektriker seine Arbeit beendet hat, ist die Sache nicht erledigt. Er muss die Anlage durchmessen und ein Prüfprotokoll (oft im Rahmen eines E-Checks) erstellen. Darin werden Werte wie Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz und die Auslösezeit der RCDs festgehalten. Dieses Dokument ist unglaublich wichtig. Sollte es jemals zu einem Brand oder einem Personenschaden durch die Elektrik kommen, wird die Versicherung als Erstes nach diesem Protokoll fragen. Es ist der offizielle Nachweis, dass die Installation zum Zeitpunkt der Abnahme sicher und normgerecht war. Ohne diesen Nachweis kann einem grobe Fahrlässigkeit unterstellt werden und die Versicherung verweigert die Zahlung.

Diese Protokolle, zusammen mit Rechnungen und Fotos vom Baufortschritt, gehören zu den wichtigsten Dokumenten der Sanierung. Ich digitalisiere so etwas sofort und lege es in einem eigenen Ordner ab, zum Beispiel in einer Haus-App. Wenn in zehn Jahren etwas ist, erspart man sich die Suche nach einem vergilbten Zettel im Keller und hat alles mit einem Klick parat.

Kosten und Steuern: Was lässt sich absetzen?

Eine komplette Erneuerung der Elektrik ist eine ernste Investition. Man rechnet grob mit 87 bis 120 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, je nach Ausstattung. Bei einem 120-qm-Haus sind das schnell 10.000 bis 15.000 Euro. Ein kleines Trostpflaster bietet das Finanzamt.

Nach §35a Einkommensteuergesetz (EStG) können Privatpersonen für Handwerkerleistungen in ihrem Haushalt 20 Prozent der Lohnkosten von der Steuer absetzen. Das gilt für einen Rechnungsbetrag von bis zu 6.000 Euro Lohnkosten pro Jahr, woraus sich eine maximale Steuerersparnis von 1.200 Euro ergibt.

Wichtig sind zwei Bedingungen: Es muss eine offizielle Rechnung vorliegen, die die Lohnkosten getrennt vom Material ausweist. Und die Zahlung muss per Überweisung erfolgen. Barzahlungen mit Quittung erkennt das Finanzamt nicht an.

Die Entscheidung für eine komplette Sanierung der Elektrik geht über die reinen Kosten hinaus. Es ist die Entscheidung für Sicherheit und ein ruhiges Gewissen. In einem alten Fachwerkhaus zu schlafen, ohne sich Sorgen um schmorende Kabel in der Wand machen zu müssen, ist ein unbezahlbares Gefühl. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob die von uns geplanten zwölf Stromkreise für die Etage wirklich ausreichen – oder ob sechzehn nicht doch die bessere Wahl gewesen wären.

Das Prüfprotokoll, die Rechnung mit separat ausgewiesenen Lohnkosten, die Fotos der Kabelführung – das sind die Unterlagen, die zehn Jahre später noch gefragt sind: von der Versicherung, vom nächsten Handwerker, vom Käufer. Wer sie von Anfang an digital an einem Ort ablegt, zum Beispiel mit Hausgedächtnis, spart sich später nicht nur Zeit, sondern hat im Streitfall auch die Belege parat.