Unser Gerüst-Drama: Wie wir fast vom Dach fielen und was es wirklich kostet, es selbst zu machen
Ein Satz mit Folgen: 'Das Gerüst bauen wir selbst.' Mein persönlicher Bericht über einen Fast-Unfall, versteckte Kosten und den wahren Preis der Eigenleistung.
Der Kostenvoranschlag für das Gerüst war ein Schock: knapp 4.000 Euro. „Das machen wir selbst“, sagte ich zu meinem Freund, der mir bei der Sanierung meines alten Fachwerkhauses von 1790 hilft. Ein Satz, den ich noch bitter bereuen sollte.
Ein paar Tage später stand ein LKW vor der Tür und lud einen riesigen Haufen Stahl ab. Beläge, Rahmen, Diagonalen, Füße – alles lag kreuz und quer in unserem Hof. Mein Optimismus bekam einen ersten Dämpfer. Das sah nicht aus wie ein Bausatz, sondern wie die Überreste einer eingestürzten Brücke. Erst später lernte ich, dass es sich um ein Plettac-System handelte, erkennbar am Fallstecker-Mechanismus. Hätten wir versucht, Teile eines anderen gängigen Systems wie Layher zu ergänzen, hätte nichts gepasst. Schon da zückte ich mein Handy und machte Fotos. Nicht aus Stolz, sondern aus einer Vorahnung heraus, dass diese Geschichte dokumentiert werden musste.
Der Aufbau begann. Und scheiterte nach zehn Minuten. Der Boden um unser altes Gasthaus ist alles, aber nicht eben. Rechts eine abschüssige Betonfläche, links weiche Erde, die nach jedem Regen zu Schlamm wird. Die mitgelieferten starren Fußplatten tanzten auf dem Untergrund. Unser „einfacher“ Plan war geplatzt. Hatten wir eigentlich geprüft, ob man so ein Gerüst überhaupt anmelden muss? Wahrscheinlich nicht, solange es nicht auf den Gehweg ragt, aber der Gedanke war ein weiteres Steinchen im Mosaik des Unbehagens. Ein Anruf beim Verleih, eine Fahrt zum Lager und 158 Euro später hatten wir lange, verstellbare Spindelfüße. Ein halber Tag war verloren, der Frustpegel stieg. Es ist immer wieder dasselbe: Bei einem Altbau ist nichts Standard.
Wir kämpften uns nach oben. Ebene für Ebene. Es fühlte sich an wie ein wackeliger Triumph. Bis zum Nachmittag des zweiten Tages. Wir waren auf der dritten Etage, in etwa sechs Metern Höhe. Ich stand unten, mein Freund oben. Ich reichte ihm einen Stahlbelag hoch. Er nahm ihn an, machte einen Schritt zur Seite und trat ins Leere. Eine Diagonalstrebe, von der wir dachten, sie wäre fest, war aus ihrer Halterung gesprungen. Er schrie auf, ruderte mit den Armen und konnte sich im letzten Moment an einem Vertikalrohr festkrallen. Sekundenlang war es totenstill. Nur sein schweres Atmen war zu hören. Der Stahlbelag war mit einem lauten Knall zu Boden gekracht, nur wenige Meter neben mir. Dieser Schock sitzt tief. Es war nicht nur der Schreck über den möglichen Sturz, sondern die brutale Erkenntnis unserer eigenen Arroganz. Wir hatten keine Ahnung, was wir da taten. Wir hatten uns auf YouTube-Videos und eine krakelige Skizze verlassen.
Nach dem Beinahe-Unfall war klar: So geht es nicht weiter. Wir bauten nichts mehr auf. Stattdessen rief ich den Gerüstverleih an und beichtete unser Unvermögen. Am nächsten Tag kam ein echter Gerüstbauer, eine „befähigte Person“, wie es im Fachjargon heißt. Für 250 Euro extra nahm er unser halbfertiges Konstrukt unter die Lupe. Sein Urteil war vernichtend. Falsche Verankerungen, fehlende Bordbretter, falsch gesetzte Diagonalen. Er zeigte uns, wie man die Anker sicher im Fachwerk setzt, ohne die Bausubstanz zu gefährden. Während er arbeitete, ging mir durch den Kopf, was passiert wäre, wenn mein Freund wirklich gestürzt wäre. Wer hätte gehaftet? Die private Haftpflicht? Wahrscheinlich nicht, bei so grober Fahrlässigkeit. Wäre die Berufsgenossenschaft eingesprungen, weil er als unbezahlter Helfer ein „Wie-Beschäftigter“ ist? Und hätte sie mich dann in Regress genommen, weil wir jede Sicherheitsvorschrift ignoriert haben?
Diese ganze Erfahrung hat meine Herangehensweise an die Sanierung fundamental verändert. Die Rechnung vom Gerüstbauer, das Abnahmeprotokoll, die Fotos vom Fast-Unfall – all das musste an einen sicheren Ort, falls versicherungstechnisch oder rechtlich etwas nachkommt. Seit diesem Tag liegt so etwas bei mir digital an einem Ort, inklusive aller Fristen für Miete und Gewährleistungen. Dafür nutze ich die Hausgedächtnis-App, damit mir so ein Chaos und so ein Risiko nie wieder unterlaufen. Die überraschende Erkenntnis für mich war: Selbermachen bedeutet nicht, die Regeln zu umgehen. Es bedeutet, die Verantwortung eines Profis zu übernehmen, mit allen Konsequenzen. Wir haben am Ende zwar rund 2.500 Euro gegenüber dem Angebot des Gerüstbauers gespart, aber fast mit der Gesundheit meines Freundes bezahlt.
Ich würde es nicht wieder tun. Nicht unter diesen Umständen. Die Ersparnis stand in keinem Verhältnis zum Risiko. Das nächste Mal beiße ich in den sauren Apfel und lasse die Profis ran. Deren Arbeit kann ich dann ganz entspannt von unten beobachten.
Die Erfahrung mit dem Gerüst hat mir deutlich gemacht, dass Improvisation bei Altbausanierungen oft in unnötigem Mehraufwand oder – schlimmer noch – gefährlichen Situationen endet. Eine saubere Planung und lückenlose Dokumentation aller Renovierungsprojekte ist essenziell, um solche Probleme zu vermeiden, Kosten zu kontrollieren und später den Wert des Hauses belegen zu können. Genau dafür haben wir Hausgedächtnis kostenlos testen entwickelt.