Unsere Rettung vor der Sommerhitze: Wie wir am 230 Jahre alten Fachwerkhaus die richtige Außenbeschattung fanden
Ein ehrlicher Erfahrungsbericht: Warum Klappläden an unserem Fachwerkhaus scheiterten, wir fast den falschen Sonnenschutz gekauft hätten und was am Ende funktio
Der Sommer 2022 war der Punkt, an dem es reichte. Im frisch sanierten Obergeschoss unseres alten Gasthauses hatten wir an sonnigen Tagen fast 30 Grad. Unsere schönen, großen Südfenster verwandelten die Räume in einen Backofen, und die dicken Lehmputz-Wände, die eigentlich für ein ausgeglichenes Klima sorgen, kamen gegen diese direkte Sonneneinstrahlung einfach nicht an. Es war klar: Wir brauchen eine Außenbeschattung. Aber was macht man an einem Haus von 1790, das keine Rolladenkästen hat und dessen Fassade so krumm ist wie eine Banane?
Meine erste Vision war romantisch: klassische, grüne Holz-Klappläden, wie man sie von alten Bauernhäusern kennt. Das würde perfekt zur Fachwerk-Optik passen, dachte ich, und holte ein Angebot von einem lokalen Schreiner ein. Der Dämpfer kam prompt. Für unsere nicht genormten Fenstergrößen wäre jedes Paar eine Maßanfertigung gewesen, Kostenpunkt: knapp 1.800 Euro pro Fenster. Das Angebot habe ich heute noch. Ich habe es direkt abfotografiert, um es nicht zu verlieren – eine Lektion, die ich bei diesem Projekt gelernt habe: Jedes Dokument, jede Notiz, jedes Foto vom Ist-Zustand wird sofort digital gesichert. Das erspart später das große Suchen, wenn man mal wieder eine Rechnung für die Gewährleistung braucht. Der zweite, noch größere Haken war aber die Bedienung. Im ersten Stock jeden Tag bei jedem Wetter das Fenster aufreißen und sich halb rauslehnen, um die Läden zu schließen? Bei einem aufziehenden Sommergewitter schnell alle Fenster abklappern? Die Romantik verflog ziemlich schnell.
Plan B waren moderne Senkrechtmarkisen. Dezent, effektiv, elektrisch. Wir waren kurz davor, vier Stück mit seitlicher ZIP-Führung zu bestellen, die extrem windstabil sind, weil der Stoff fest in der Schiene geführt wird. Ein Verkäufer kam zum Aufmaß – und das war unsere Rettung.
Er legte seine Wasserwaage an die Fensterlaibung aus alten Eichenbalken. Sie kippelte. Er maß oben, er maß unten. Die Differenz betrug fast vier Zentimeter auf zwei Meter Höhe. Er schüttelte den Kopf und meinte: „Das könnt ihr vergessen. Bei der Schieflage klemmen euch die Markisen nach einem Winter. Die Führungsschienen müssen absolut parallel sein, sonst ruiniert ihr das Tuch.“
Das war der zweite Rückschlag. Wir hatten uns schon auf die Lösung gefreut und fast einen teuren Fehler gemacht. Es ist das klassische Altbau-Problem: Moderne, auf Präzision ausgelegte Systeme treffen auf eine handgemachte, über Jahrhunderte gewachsene Bausubstanz. Das passt selten zusammen.
Die Rettung kam von einem befreundeten Allround-Handwerker, mit dem ich viel am Haus zusammen mache. Seine Idee war, ein System zu finden, das sich nicht an der Fassade verspannt, sondern in der Fensterlaibung quasi „selbsttragend“ montiert wird. Wir landeten bei schienengeführten Raffstores, also Außenjalousien mit stabilen Aluminiumlamellen. Der Trick war die Montage. Statt die Führungsschienen direkt auf das krumme Fachwerk zu schrauben, haben wir sie mit verstellbaren Abstandshaltern in der Laibung befestigt. So konnten wir die Unebenheiten ausgleichen und eine perfekt senkrechte Führung für die Lamellen schaffen. Der Kasten, in dem die Lamellen im hochgefahrenen Zustand verschwinden, sitzt nun unsichtbar oben in der Fensterlaibung.
Die ganze Aktion zog sich über drei Monate, von der ersten Recherche bis zur letzten Schraube. Die Rechnungen für die Raffstores, das Montagematerial und die Stunden des Elektrikers, die allein mit knapp 350 Euro zu Buche schlugen, kamen natürlich alle getrennt.
Überraschend war, dass ausgerechnet die technisch modernste Lösung am besten zu unserem uralten Haus passte. Nicht weil sie modern aussieht, sondern weil sie flexibel genug war, um mit den Unregelmäßigkeiten der alten Bausubstanz umzugehen.
Jetzt, nach dem zweiten Sommer mit den Raffstores, kann ich sagen: Es war die richtige Entscheidung. Der Unterschied ist gewaltig. Die Räume bleiben auch bei 30 Grad Außentemperatur angenehm kühl, man kann das Licht stufenlos regeln und ist trotzdem nicht komplett im Dunkeln. Aber manchmal, wenn ich die glatten Alulamellen so sehe, frage ich mich schon, ob die alten Holz-Klappläden nicht doch schöner gewesen wären.